~ erst als ein Herz
den Schmerz verließ,
 der Augenblick
für immer blieb ~

[Mrs. McH]

Mrs. McH #Lyrik
Texte 2025

in umgekehrt
chronologischer
Reihenfolge

~ wenn ein Jahr 
 in Tränen endet,
 ertrinkt ein neues 
 in einem salzig Meer,
 ein Herz,
 so voller Liebe,
 ein Herz, 
 so furchtbar leer,
 muss weiter, weiter,
 immer weiter schlagen,
 darf niemals nie, nie verzagen,
 leidet es auch noch so sehr;
 ein hässlich Jahr 
 in einem Ozean
 aus Not versinkt,
 eine neue Ära 
 trotzdem beginnt,
 ein neues and'res Leben,
 so darf ein Herz 
 sich nicht aufgeben,
 seine Zeit
 nicht verschenken,
 in liebevollem Angedenken
 an all das Schöne,
 was einst war:
 ein Herz, so lieb,
 so ewig wahr ~

 [Mrs. McH]

 ~ so lange Zeit
 ins Schwarz geatmet,
 Tage, Nächte, Jahre
 nur gewartet,
 nur gewartet, 
 dass der Schmerz 
 das Herz verlässt,
 dann verhandelt,
 angebiedert,
 angebandelt
 mit Not und Leid,
 doch falsch gefeilscht
 um rottend Fleisch,
 denn Zeit heilt keine Wunden, 
 Zeit verschließt keine Narben,
 nein, zu viel Zeit 
 stellt zu viele Fragen
 nach zu vielen Augenblicken,
 die taub darbend in längst
 verstummten Uhren ticken,
 irgendwann ward offenbar,
 das Herz schon lange 
 nicht mehr schlagend war,
 zu lange Zeit 
 hat es ins Schwarz geliebt ~


[Mrs. McH]

 ~ meine Sprache
 ich nun fand,
 am Haken hängend
 im Schlächterland,
 jedes Wort 
 in einem anderen Gewand
 aus Seelenhaut,
 viele leise,
 noch mehr laut, 
 jedes selbst getragen,
 aus dem Schrank 
 der tausend Fragen,
 in den Schacht
 räudiger Qualen,
 in manches gezwängt,
 in viele vom Selbst gedrängt,
 in manchem verloren,
 manche selbst geboren,
 doch letztlich 
 alle abgestreift,
 gehäutet,
 dann ausgebeutet,
 trotzdem leer ausgegangen,
 blank ins Nichts gestürzt,
 wieder aufgefangen, 
 totale Entblößung,
 endlich Erlösung,
 meine Sprache
 ich nun fand ~


[Mrs. McH]

 tagdunkel
 nachthell
 und alles dazwischen
 ist Schuld



tagdunkel

 ~ grauer Finger 
 sticht ins Aug,
 ein neuer Tag nach Atem saugt,
 im fahlen Schein klammer Not
 erhebt sich was, 
 gestern fast tot; 

​ die Nacht verstirbt, 
 ihr Fleisch noch warm,
 aus finst'rem Traum,
 doch für Wahrheit,
 nein, oh nein, 
 bleibt kein Raum; 

 ein Schwall Heuchelei
 ins müde Gesicht gespritzt, 
 ein falscher Blick,
 das Rückgrat bricht 
 mit leisem Klick,
 das Wesen wird 
 zu einem Nichts; 

 es nimmt die Nadel, 
 nimm den Zwirn 
 näht ein Lächeln 
 roh unters Hirn,
 tackert die Lider, 
 weit und starr,
 so ist es gut, 
 so scheint es wahr; 

 nun rasch den Seeleneiter
 mit Puder bestreuen,
 alle Welt soll sich 
 an der Fassade erfreuen, 

​ der Spiegel stumm vor Scham
 in tausend Stücke bricht,
 wartet wissend,
 bis die Nacht anbricht ... 
 


nachthell

 ~ im Sonnenlicht 
 gold'ne Masken glänzen,
 das Fleisch erzwingt, 
 so stolz, so dumm,
 oh weh, die falschen Grenzen, 

 ein Lächeln hier, 
 ein Nicken da,
 alles so fein, unnahbar,
 jedes Wort fast klinisch rein,
 um vor der Welt 
 perfekt zu sein; 

​ doch sinkt der Strahl,
 zerbricht das Licht,
 die Fassade bröckelt
 aus dem Angesicht; 

 und der Tag 
 soll um Lug sich fügen,
 die Menschen süß 
 mit Wahrheit trügen,
 denn doch die Nacht 
 in all ihrer Pracht,
 die Richterin, finale Macht, 

 die Nacht schreit alle Lügen; 

 im Dunkelreich, 
 wo Schweigen bricht,
 verhallt das hohle 
 Marktgewicht;
 kein Gold, das schützt, 
 kein Schein, der hält,
 wenn tief im Innern 
 alles fällt; 

 was laut am Tag
 als Wahrheit galt,
 wird in Finsternis 
 so bitterkalt; 

 und im Kreislauf 
 erschöpfter Zeit,
 macht Erkenntnis sich bereit,
 die Nacht sticht zu, 
 sie kennt kein Zögern,
 und lässt das Ich 
 im Licht vermodern ...
 

und alles dazwischen ist Schuld


 ~ manche Schuld
 wird nie vergeben,
 die Ärgste ist,
 nicht zu leben,

 mit dem,
 was das Leben 
 uns einst zudachte;
 nun verachte

 uns 
 nicht 
 für unser Sein
 ohne Sinn,

 auf und davon,
 längst dahin,
 sind all die Engel 
 gewichen,

 ihr Hell schon lange 
 in Düsternis verblichen;
 manche Schuld
 währt ewig,

 lebt damit,
 manche Schuld
 wird nie 
 beglichen ...

 [Mrs. McH]

~ die Weilen
 zwischen tausend Tränen 
 und tröstlichem Vergessen 
 weiten sich gemächlich,
 doch wie besessen
 von seinem Sein 
 hebt der räudig Schmerz,
 tief versteckt, so kläglich
 im mühsam schlagend Herz
 sich gewaltvoll auf,
 sich zu entfalten
 über alle Zeit,
 herrisch zu walten
 in Ewigkeit,
 zu erhalten,
 was die Seele schwert
 für tausend Weilen
 ohne Heilen;

 und doch,
 wenn das Tosen
im Geist versiegt,
 das Siechtum sich müde
 an den Abgrund schmiegt,
 bricht durch klaffend Risse
 ein fahles Licht,
 es bleicht die Narben,
 doch leugnet sie nicht;
 ein Atemzug bloß,
 von der Last befreit,
 ein leises Verharren
 am Rande der Zeit,
 nur viel zu kurz

 für unsere Endlichkeit ~


 [Mrs. McH]

 ~ im Jetzt und im Hier
 bin ich nicht ich,
 bin ich nicht mehr,
 der Leib
 nur vegetiert,
 die Hülle
 infiltriert,
 von roher Leere;

 in die Quere
 kommt
 nur die Liebe,
 die gegangen,
 doch allgegenwärtig,
 in der Seele pulsiert,
 im Geist verfangen,
 niemals stirbt ~


 [Mrs. McH]

~ wo Schatten einst
wie Farben strahlten,

und Schmerz sich
in das Licht verwich,

zerfallen all die lieb Gestalten,
bis nur das Nichts
die Wahrheit spricht ~

 

Schwarzlicht 


​~ wir hingen ohnehin
an dünnen Fäden,
aus falschem Gold
und Staub gewebt,
in jenen fahlen, 
engen Zimmern,
wo niemand stirbt
und keiner lebt; 
dann wurde unser Licht gelöscht,
leuchtend hell war es 
doch nie gewesen,
im Absolutum nur die räudige Wahl
zwischen Verwesen und Genesen; 
wir suchten Heil in kalten Feuern,
die uns verbrannten, 
statt zu wärmen,
gejagt von scheußlich Ungeheuern,
die nachts 
von fernen Sonnen schwärmen; 
was wir für den Morgen hielten,
war nur ein Zittern in der Nacht,
ein feiges Schweigen
vor den Sorgen, die uns
das letzte Glück vermacht; 
​nun birst alle Freud,
kein Trost verbleibt
in leeren Händen,
wir sind der Aussatz dieser Welt,
stumm verblasst an weißen Wänden; 
so wurde unser Dunkel wahr,
ein Abgrund, tief und ohne Ende,
wie unser Licht 
so schwarz gewesen,
reicht uns die Finsternis 
nun wieder ihre Hände ~


[Mrs. McH]

ausgerahmt 


 ~ aus dem Rahmen 
 noch nicht ganz 
 gefallen,
 dennoch
 ins Unglück 
 gestürzt,
 etwas rief, 
 von dunklen Wolken
 zart gehalten,
 stand ich,
 schien ich,
 dann fiel ich doch,
 tief,
 so tief ~


 [Mrs. McH]

 ~ nun bin ich 
 ein Monster aus Licht, 
 nun erstrecht 
 verführe ich dich 
 mit meinem 
 blendend Schein,
 du sprichst nicht Nein,
 dein Mund bleibt stumm,
 ich funkele dich 
 in grell betörendes Delirium,
 mein gleißend Strahlen,
 wird noch teuflischere Teufel 
 an alle Wände malen 
 und du wirst
 keinen einzigen davon sehen, 


nein, du Lieb
 wirst mit mir gehen,
 mich begleiten,
 mir bereiten
 das letzte Mahl,
 dich, oh schön,
 du hast keine Wahl,
 bin ich doch nun
 dein liebstes Hell,
 deine eiternde Quell,
 dein heißes Begehr
 nach so viel mehr,
 nach Heil und Licht,
 das all das Dunkel
 in dir bricht,
 nun bin ich
 dein Monster aus Licht ~

[Mrs. McH]

 ~ zwischen Himmel und Hölle 
 abgeholt 

 [so wenig Raum
 für so viel Traum] 

 von den eigenen Geistern 
 eingeholt 

 [belehr mich nicht 
 bekehr mich nicht] 

 kein Licht bricht 
 die Finsternis 

 die sein will
 wofür sie geschaffen ist 

 mal laut
 mal still

 zwischen Himmel und Hölle ~


[Mrs. McH]

 ~ von meinem Herz 
 die Schlinge nimm,
 die Enge will ich
 nicht mehr ertragen,
 lös all die Knoten,
 lass los die Not,
 atmen, endlich atmen,
 will ich wieder wagen ~


[Mrs. McH]

~ das Dunkle will weilen,
 das Licht soll leiden,
 bloß, oh weh,
 das Dunkle sind wir,
 kannibalistisches 
 Lebenselixier,
 unser Trunk 
 in unstetes Glück,
 doch will es zurück
 in seine Schindergrub,
 sein feudal faules Heim,
 gehegt und gepflegt
 will es sein
 in seiner Kammer 
 in seinem Jammer,
 sich in sich selbst 
 ertränken,
 sich noch mehr Dunkles 
 schenken,
 sich an seinem Zorn 
 genüsslich laben,
 sich selbst so lieb, 
 so liebhaben,
 sich entbeinen,
 wieder vereinen,
 ganz ohne Sonne,
 ganz ohne Licht, 

 doch etwas bricht; 


 nun also, das Dunkle
 muss weichen, sich winden,
 fort, weg, 
 es muss verschwinden,
 ohne Leere 
 zu hinterlassen,
 oh ja, wie sehr
 wir es hassen,
 die Leere
 mit Schwere
 zu füllen,
 uns einzuhüllen
 in ihr pharisäisches 
 Geschmeide
 aus süßlicher Lieb,
 in Versprochenes,
 das niemals hielt, 
 nie blieb,
 und wir begreifen,
 auch Licht muss wachsen, 
 reifen,
 wir müssen lernen
 wieder zu scheinen,
 nie mehr nie
 im Dunklen weinen; 

 das Helle naht ~


[Mrs. McH]

 ~ von Beginn an
 todgeweiht,
 falsch abgezweigt,
 verharrt,
 das Leben bewahrt,
 im Schatten
 verweilt,
 ungeheilt
 ins Licht,
 die Liebe spricht,
 suche mich,
 finde mich nicht,
 Herzen brechen 
 viel schöner 
 ohne mich,
 zum Ende hin
 ergibt es Sinn,
 ergebe ich mich,
 von Beginn an
 liebbefreit ~


[Mrs. McH]

~ vertraue deinen Augen,
 niemals deinem Glauben,
 genieße,
 was du siehst,
 genieße,
 was du liest, 
 schon morgen
 könnte es
 verschwunden sein, 
 begreife,
 dass immer nur
 das Heute allein
 dir niemals fehlt,
 jetzt ist alles dein,
 was ewig zählt ~ 


[Mrs. McH]

~ wo ich weile,
 weht kein Wind,
 wo ich atme,
 weint kein Kind,
 kalte Stille,
 kein Erbarmen,
 nur fremder Wille,
 Tristesse im Samen,
 in Morast gesät,
 kein Tag vergeht
 ohne Wanderung
 auf schmalem Grat,
 Liebe erstickt
 im offenen Sarg,
 Leben ist,
 was Leben frisst,

 doch dumpf und dröhnend
 schlägt mein Herz,
 viel lauter
 als der größte Schmerz,
 zu laut fürs Sterben,
 zu laut fürs Sein,
 wo ich bin,
 mit mir allein,
 kehren Hoff und Glück 
 bald wieder ein,
 ganz ohne Not,
 ganz ohne Zwang,
 so stark das Streben,
 so groß der Drang,
 in Frieden zu heilen 
 in Freiheit zu weilen,
 uns trägt nur Wind,
 mein lächelnd Kind ~


[Mrs. McH]

 Heilloses Durcheinander 


 ~ und der Augenblick verweilt 
 und die Zeit 
 keine Wunde heilt, 
 ins eigene Täschchen 
 lügt sich's am Besten 
 und mit den Resten
 unserer Würde 
 zerficken wir 
 auf höllischen Festen
 alles und jeden
 auswahlslos
 und ausnahmslos
 bis der Morgen graut,
 wir verstummen,
 nur grässlich laut
 schreit unsere Not,
 unsere Säfte,
 einst kräftigrot,
 verdicken sich
 zu schwarzem Sud,
 in den Extremitäten
 nur Sterbendes, 
 im Torso
 kein lebend Blut,
 und die Zeit nichts heilt,
 es verbleibt 
 nur fiebriges Eitern
 für die Ewigkeit,
 doch der Augenblick,
 der Augenblick verweilt ~


[Mrs. McH]


~ mögen alle Mäuler
 der Schande verstummen,
 mögen alle Kehlen
 der Lüge verrotten,
 denn sie werden
 niemals Buße tun,
 ihre Hässlichkeit
 wird nimmer ruh'n,
 so sollen sie,
 für immer schweigen,
 leiden sollen sie,
 grässlich leiden,
 wenn ihre 
 kleinen Geister sterben,
 wenn wir nun 
 IHRE Leichen
 aus ihren Kellern bergen,
 dann wird es wohl
 und endlich 
 seltsam still

 KILL
 KILL


[Mrs. McH]

 ~ gelöscht hast du
 mein Licht,
 meine Seele,
 meinen Geist 
 brichst du nicht,
 was noch in mir glimmt
 ist letzte Glut,
 genährt,
 geschürrt
 von tiefster Wut,
 doch du hast 
 mein Licht gelöscht ~


[Mrs. McH]


~ die Gewissheit 
 ist vollkommen 
 und sie gab,

 was sie nie nahm,

 und dem Grab
 und dem Wahn 
 bin ich entkommen,
 nichts wurd mir genommen,
 nichts, was ich besaß ~ 

[Mrs. McH]

 ~ schau, die Wolken,
 wie sie ziehen,
 so mächtig,
 so prächtig,
 so in sich ruhend,
 nicht Falsches,
 nichts Richtiges tuend,
 beschützend,
 bedeckend
 zugleich,
 so leicht,
 so hart,
 so weich,
 schau, die Wolken,
 wie sie ziehen,
 so ziehe ich
 alles Übel 
 aus mir,
 im Jetzt,
 im Hier
 bin ich die Macht,
 bin ich meine eigene 
 Superkraft,
 bin ich im Reinen
 und bereit
 neue Welten zu entdecken,
 nur eines werde ich
 vor allen Seelen verstecken:
 meine Wolken,
 schau, wie sie ziehen ~ 

[Mrs. McH]


~ unbeirrt,
weil noch immer
hirnverwirrt,
geht es
schon wieder los;
seht, da kommen sie gekrochen,
ungebrochen,
die Ratten
aus dem Schatten,
zu unterjochen
alles Sein;
wie einsam,
wie allein
müssen diese armen Seelen sein ~ 


[Mrs. McH]

 ~ so viele Blicke 
 in den Himmel,
 dein Antlitz,
 danach sehne ich mich,
 finde ich nicht,
 Frieden sende ich
 in deine Welt,
 ich hoffe,
 er erreicht 
 dein flackernd Licht; 

 so wie deine Liebe 
 mich erreichte,
 mich erweichte,
 mich einst wachsen ließ,
 bitte verzeih,
 wie ich sie von mir stieß,
 vielleicht war sie zu gut, 
 zu wahr, 
 vielleicht zu tief, 
 zu wunderbar; 

 zu jung war ich,
 zu dumm war ich,
 zu wild
 für diesen Fels aus Halt,
 nun, im Enden,
 nun, im Alt,
 fühle ich 
 deinen Schmerz,
 begreife ich 
 dein schönes Herz; 

 ein Riss geht
 durch meinen Geist,
 brutal 
 und erbärmlich zugleich,
 in Wunden verfangen,
 vor die Hunde gegangen,
 du weißt, 
 nichts ist mir geblieben,
 getrieben 
 bin ich 
 und verloren 
 in so vielen Blicken 
 in den Himmel; 

 dein Antlitz 
 sehe ich nicht,
 doch spüre ich dich,
 in mir
 du bist,
 liebe Mutter,
 so geliebt,
 in Frieden,
 so ewiglich ~


[Mrs. McH]


~ Herz und Feuer frei,
 alle Liebe ist vorbei,
 morgen, vielleicht morgen,
 wird wieder geliebt,
 wird wieder gestorben,
 Asche zu Asche,
 Lieb zu Leib,
 alles was bleibt,
 Herz und eine Handvoll Worte,
 Feuer frei ~


[Mrs. McH]

~ ein Herz 
 hat nur das Begehr,
 in Frieden zu sein,
 doch arme Seelen 
 ziehen dies Herz
 wieder und wieder 
 in ihren perversen Krieg
 aus Schmutz
 und Bös hinein;
 lasst sie höhnen,
 lasst sie hassen,
 ein Herz 
 wird niemals 
 davon lassen,
 wahrhaftig 
 es selbst zu sein ~ 


[Mrs. McH]

~ du, alte Wunde
 reißt wieder auf
 und bestialisch
 riecht dein Tod
 und die Bestie
 dröhnt und höhnt
 über töricht Liebesnot
 und der Verfall 
 schreitet hinfort 
 und das Leben 
 hier und dort 
 geht doch weiter
 seinen Gang
 du, alte Wunde 
 sei nicht bang 
 du heilst 
 doch immer wieder ~


[Mrs. McH]


~ willst du das totale Glück 
 dann Stück um Stück 
 sei entblößt 
 Akt um Akt
 mach dich selig
 blank und nackt
 dann
 entbeint
 vereint 
 ausgeweidet
 das Seelchen weint
 das Seelchen leidet
 im Trennungsschmerz
 trennt sich das Herz
 schwört Eid um Eid
 verrottet doch 
 im schwarzen Leib
 aus Dunkelheit 
 nun, Geist
 steh auf 
 aus deiner Wund
 und Lieb 
 brich aus
 und werd gesund 
 willst du das totale Glück ~


[Mrs. McH]

~ heute bin ich
 zum letzten Mal gebrochen,
 versprochen 
 ist versprochen,

 so hat mein Herz
 gesprochen,
 bevor es sprang
 aus meiner Brust ~


[Mrs. McH]


 ~ leben und leben lassen,
 das gilt auch für den Schmerz,
 ein Geist,
 er möcht nicht hassen,
 doch hasst er es,
 das schlagend Herz,
 das nicht mehr weiß,
 wofür es schlägt,
 es bewegt
 sich nur 
 in einer Brust,
 in seiner Enge,
 es schlägt nur noch,
 weil es leben
 und leben lassen muss ~


[Mrs. McH]

~ für Poesie
gibt es ein Morgen,
für meine Worte
nicht;
es bricht
mein Herz,
mein Lieb
verkümmert
in jedem traurigen Gedicht;
mehr als ich tat,
kann ich nicht tun,
mein Geist
möcht endlich,
endlich ruh'n,
mehr als ich gab,
kann ich nicht geben,
leben, nur leben,
das will ich nun ~


[Mrs. McH]


~ unvollkommen
und verwirrt
irrt
ein Herz
umher,
so leer
seit unzählbaren
Jahren,
offenbaren
wird sich Licht,
wenn die Finsternis
am Weinen ist,
wenn sie sich
selbst nicht mehr
erträgt,
sich nicht mehr
quälen will,
[und dann]
still,
still wird alles sein,
so still ~


[Mrs. McH]

~ kein Versprechen wurde gebrochen,
 das Morgen hat uns nichts versprochen,

nur dass es ist, 

wo du dann bist,
 das hat es nicht gesagt,
 hättest du doch nicht gefragt,
 ob es ein Morgen gibt ~

 

 ~ und das Morgen
 kam,
 im Warm,
 fast Heiß,
 rissen wir uns
 die Haut vom Leib,
 vom Kadaver,
 aber, 

 oh ja,
 es war
 so schön,
 so entzückend,
 den Geist verrückend,
 nackt und blank
 im Morgenhöll
 zu sein, 

 nicht allein, 

 nein, 

 wir waren
 die Masse
 aller Massen,
 wir konnten es
 nicht lassen,
 vereint in Knochen,
 uns so sehr
 zu hassen,
 die Schädel
 unsrer Seelen
 einzuschlagen, 

 niemand wollt
 es wagen,
 Liebe zu geben,
 Liebe zu ertragen,
 das Morgen
 ward die Hölle, 

 die Quelle, 

 und wir münden
 hier,

 das war ich,
 das warst du,
 alle waren es,
 das Morgen
 waren 

 wir ~

[Mrs. McH]


~ du Herz, du Blut,
 so blank, so bitter,
 deine Bürde, deine Not,
 musst schweigen,
 doch fließen, 
 dein Leid
 ausgießen,
 doch kein Gefäß 
 ist ohne Loch,
 ach weh,
 oh, doch,
 du Herz, du schlägst,
 du Blut, du fließt,
 aus Not
 ward Mut,
 deine Seele, Glut,
 dein Geist, so kalt
 geworden,
 überlebt,
 überstorben,
 dein Sieg
 ist Krieg,
 dein Frieden
 nah,
 unnahbar,
 aus Gründen ~

[Mrs. McH]

~ Totgesagte leben
 lang,
 Herz, du Treues,
 sei nicht
 bang,
 in dir wird es eng
 und enger,
 doch Seelenlose
 leben länger,
 wenn auch nicht
 ewig,
 gehab dich wohl,
 gehab dich
 selig; 
keine Augen
 haben viel
gesehen,
 die Wahrheit
 wird sich selbst
verdrehen,
 bis jeder Mensch
 seine Lügen glaubt,
 bis alle Hoffnung
 dem Geist geraubt;
 am Ende
 nur noch Flüsse
 fließen
 aus Blut,
 aus Wut,
 bevor sie sich
 in ihr letztes Meer 
 ergießen, 
wo Liebe wie Fett
 an der Oberfläche
 schwimmt,
 Herz, du Armes,
 dein Saft
gerinnt,
 spring aus der Brust,
 aus deinem Heim,
 es wird gar nicht
 schmerzhaft sein,
 nein, du Herz,
 du Parasit,
 so sehr geliebt,
 ach, du Narr,
 sei nicht
 bang,
 Totgeliebte leben
 lang ~


[Mrs. McH]


~ weißt du, wie es ist,
 wenn die Nacht dich frisst,
 obwohl du es bist,
 der hungrig ist,
 in Finsternis
 verhungert;
 erstickend kalte Leere
 haut ihre scharfen Zähne
 in dein Fleisch,
 zerreißt deine Seele,
 deinen Geist;
 dein Leib
 ist nur noch Hülle
 für keine Fülle;
 »alles wird gut«,
 sickert in dein Blut;
 und wenn der Morgen graut,
 hast du es deinen Dämonen
 wieder einmal geglaubt ~


[Mrs. McH]

~ das Morgen fällt aus,
 Herz, Seele, Geist,
 alles bleibt verschlossen,
 nur mein Leib,
 der bange Bote,
 wird erschossen,
 weil er viel zu viel 
 vom Leben weiß ~

[Mrs. McH]


... und dann

 warf ich Schatten voraus 
 denn nach der Klarheit
 gebar ich Wahrheit 
 und aus Vergebung
 ward Vergeltung 
 und alle Kreise 
 schlossen sich 
 wie einst
 hundert Türen
 und noch mehr Wunden 
 und alle Lider
 und wieder 
 ward Finsternis 
 Vollkommenheit 
 das Ende der Gedichte 
 und das Mitbringsel 
 ward der Tod
 seine Tränen 
 schlugen keine Schlachten
 doch der Trauer Sieg 

 im Halbdunkel
 war es stets auch halbhell
 und versprochen 
 war versprochen
 und wurd stets gebrochen,
 weil ohne Brüche nichts
 zusammen|wachsen wollt 

 nur im Leib
 verblieb ein Herz
 zwar ungebrochen 
 doch es verstarb 
 es gab 
 nichts mehr 
 zu schlagen 
 Alltödliches
 ward Alltägliches 
 zähfließend Rötliches
 schimmernd 
 durch die fahle Haut
 brach doch das Licht
 nur die Schatten
 die ich warf
 nein, diese nicht
 die flohen in den Morgen 
 in unerforschtes Land
 kahl und grau
 das uns verband 

 und dann ...

Verzicht

»anstatt Blumen«
[Mrs. McH]

von der Wiege bis zur Bahre 


Adaption der Grausamkeit 

~ zwischen Sein
und Nichtsein
klafft eine Lücke 
kein Zuhause
nur Heimtücke
in der Wiege
keine Liebe 

Liebe 

Liebe 
verzweifelt
gesucht 
doch verflucht
was soll es ernten
von dem es 
nichts ahnt 
die Saat
besteht 
aus Leere
und die Ernte
sind harte Schläge 

Schläge 

Schläge 
doch es ist 
kein Herz
das schlägt 
und die Mutter
wird verbrannt
und der Vater
ist gerannt 
alle Unschuld 
wird geraubt
und der Hunger 
frisst die Seele
und den Geist
wohl auch 
bloß niemals Mangel
an Gewalt 

Gewalt 

an Gewalt 
muss es sich 
nun mal gewöhnen
Blut und Eiter 
fließt in Strömen
das Herz entweiht 
von Niedertracht
in Einsamkeit 
jeden Tag 
jede Nacht
so viele Sommer 
kommen und vergingen 
keine Sonne 
jemals schien 
an keinem Himmel 
Sterne hingen
was sollt es geben
von dem es 
nie gewusst
es konnt
nur nehmen
und es schlug 
niemals zurück 
so wie
es niemals liebte 

einst
vielleicht 

vielleicht 

vielleicht
auf der Bahre
das einzig Wahre
Frieden 
verzweifelt 
gefunden ~


[Mrs. McH]

#Langgedicht

Endling

ich hatte einen Traum
ich wünschte so sehr
ich könnte 
meine Vision verfilmen
dies Lichtspiel
jedermann zeigen
in allen Köpfen sollte es
mit all seinen Farben 
und Tönen 
wirken und auf ewig verweilen 
dass ich keine Worte finde 
um meinen Traum zu beschreiben 
spricht Bände 
es lässt mich leiden
meine Leere
gebiert Scham
so reich ich bin
so arm
das Eingeständnis 
meiner Not
sagt mehr Graus 
als mir lieb 
ist alles beendet?
alles aus?
hässliche Ohnmacht
in mir erwacht
doch mein Traum war größer 
als meine Sprache jemals wird
nur berichten kann ich
muss ich
bevor alles stirbt 
er war, ach, wunderschön 
nun bin ich ein Endling
denn nur ich 
habe ihn gesehen 

wie in jedem meiner Träume 
fand ich etwas nicht 
was es zuvor noch gab
vor allem ein Zuhause
ein letztes Grab
ich suchte und lief 
und kam nicht 
einen einzigen Schritt voran
wohldann
irrte ich und rief
in taube Ohren 
niemand hörte 
so ging ich verloren 
doch weiter und weiter 
ohne Leib, ohne Beine 
trotzdem öffnete ich
verwaist, alleine 
Türen und Tore
und unzählige Fenster 
und ich sah kein Grauen
keine Gespenster
nur Schönes
nur Rares
aus hundert neuen Welten 
nur Wahres
in dem Flüße zu Meeren 
Wolken zu einem Himmel 
und Monster zu Menschen werden
in dem Lebe- und Totewesen
sich schätzen und ehren 

und in meinem Nacken saßen
doch die Furcht und die Flucht 
sie schmatzten und fraßen
ich war versucht 
ihre kalten, eiternden Krallen
abzutrennen
fortzurennen
doch tat ich mir selbst 
den überfälligen Gefallen 
wie aus tausend Träumen
die Lektionen gelernt 
Reue aus meinem Ich entfernt 
schaute ich mich nicht um
ich blickte nie mehr zurück 
nur in das Neue 
ich nannte es Glück 
nicht immer war es gut 
doch stets prächtig 
übermächtig 
öffnete es mein Herz 
schenkte es mir Gefühl 
ich stand am Fenster
und mir gefiel
wie stoisch der Sand 
aus Zeit und Unumkehrbarkeit 
durch meine Finger rieselte
doch nie verschwand 
und ich fand
was es zuvor
wohl doch nicht gab
nur ein Blinzeln 
und ich vergaß
weil Neues, Schönes
mich überflutete 
meinen Geist 
meinen Sinn
woher kam ich, wo ging ich hin?
erfuhr ich, wer ich war
oder wer ich bin? 

und ich strengte mich an
mich zu erinnern 
meine alten Schwächen 
meine neuen Stärken 
die Kreativität meiner Träume
mir jede Sequenz 
unbedingt zu merken 
diese wahrhaftig
größenwahnsinnig anmutenden
unfassbaren Räume 
die meine ruhende Seele
mir schenkte
die die Grenzen der Realität 
für mich sprengte
doch ich versagte
ich vergaß
und ich vermag
niemals, nicht 
die Fragmente 
die Splitter
zu beschreiben 
ja, nein, vielleicht
doch, ich lasse es bleiben
wie es war
wie es ist
nur nicht mich 

denn diesen Film 
dies Zeugnis 
wird keine Seele sehen
in meinem Inneren 
zu Hause
eine verlassene Heimat
in meinem Reich
wird nichts Gutes
jemals vergehen 
ein gangbarer Weg 
wie ein blutiger Pfad
zu einem unerreichbaren Ziel
ich verlange nichts
ich hoffe nicht viel 
mein treuer Gefährte
bin und bleibe ich
mein eigenes Dunkel 
mein einziges Licht 
in meinen Träumen 
wie Schatten 
von keinem gesehen 
ein Endling bin ich
ach, wunderschön ~


[Mrs. McH]

Hundesohn

 nicht 


 in der Kürze
 liegt die Würze
 doch in der Länge
 das Gefänge
 der Krampf
 im Kampf
 der dir dein Rückgrat bricht
 deinen Geist zerfickt
 dein Herz zermahlt
 deine Seele erstickt
 dich wünschen lässt
 du wärst nie geboren
 oder längst verstorben
 vergangen und vergessen
 wie all deine Sünden 

nicht 


 denn du bist bloß
 einer dieser
 Hunde
 und, welch Hohn
 sein Sohn
 zugleich 

vielleicht 


 der Hund aller Hunde
 schwanzwedelnd
 springst du
 kläffend und geifernd
 in jede Wunde
 jaulend und eifernd
 wie alle wilden Köter
 in verdreckten Teichen
 bergen gierig
 all die Leichen
 nur die eine
 meine 

nicht ~


[Mrs. McH]

~ es gibt keine Pflicht
 zu leben
 nur sich selbst
 muss der Mensch 
 vergeben 
 wie er es tut
 und wenn er liebt
 vergib ihm 
 seine Schuld ~

[Mrs. McH]

 ~ und ich liebte 

 und sie lachte 


 und ich liebte
 und ich dachte 
 für immer
 oh ja, auf ewig
 sollt es sein

 und ich kroch
 erbärmlich wimmernd
 mit all meiner Liebe
 tief, so tief 
 in einen toten Schacht hinein 

 und das Lachen der Liebe
 hallte dröhnend in mein Grab 

 niemals vergab 

 ich meinem Herz

 das Lieben ~


[Mrs. McH]

 ~ etwas schließt sich
 und es ist immer ein Kreis
 [ich weiß]
 aus Kommen und Gehen
 von täglich Auferstehen
 denn des Nachts 
 wird heimlich gestorben 
 sich hingegeben
 nur bis zum Morgen
 da kriecht der Geist 
 [du weißt]
 zurück in einen Leib 
 den er nicht immer
 sein eigen nennt 
 er verkennt
 die Lage 
 nur vage 
 [ungewiss]
 erinnert er sich 
 an die Finsternis 
 doch manchmal verrückt 
 sich das Leben 
 manchmal entzückt 
 ein Beben 
 arme Seelen
 die sich mit sich quälen 
 vertauscht 
 im Rausch 
 des Vergehens
 verdreht
 im Prozess 
 des Verstehens
 verwirrt
 wenn alles irrt
 zwischen feuchten Laken
 und schmutzigen Kissen 
 [wir wissen]
 etwas schließt sich
 und es ist immer ein Kreis ~


[Mrs. McH]

~ und die Zeit 
 verzehrt 
 nur sich selbst 
 und allen Frieden 
 und spuckt ihn wieder aus 
 der Leichenschmaus 
 wird keinem munden
 nur der Zorn 
 heilt alle Wunden 
 und unheilvoll
 wird alles enden
 kein Wort darüber 
 möchte ich 
 noch verschwenden
 ich spar es auf 
 für die Vergessenheit
 Schweigen 
 blank und bloß 
 für alle Zeit 
 Leiden 
 nie
 ach weh
 oh nein 
 nur Stummheit
 soll mein Schicksal sein
 bis jede nässend Wunde
 ausgedörrt
 bis jede Sehnsuchtsqual
 erhört 
 in Barmherzigkeit 
 stillgestellt und rein
 in Seligkeit 
 geheilt muss alles sein
 so wird es enden
 nur im Zorn
 blicke ich zurück ~

[Mrs. McH]

nach Hause

~ und die Geburt 
[so weh, so schwer]
war Höllenqual
aus dem Nirgendwo 
ins Feuerland
[noch unbenannt]
wie Eiter 
sprudelt
aus hundert Wunden  
den Geist besudelt
mit Monotonie
und die Narben 
schlossen sich nie
[ach, wie?]
unter Pein geboren 
die Nabelschnur
aus Melancholie 
nie durchtrennt
und die Liebe gibt
was sie nie besaß
und der Sommer flieht
mit leeren Händen
vor dem, was ihn frisst
[es ist, was es ist]
mit dem letzten Orkan
taumelnd, tanzend
in den Wahn
namenlos zurück
in den Geburtskanal
ins Glück
aus Hoffnung
und Ungewesenheit
mit absoluter Sicherheit
die Seele leer
keine Geburt
so weh, so schwer ~


[Mrs. McH]

 ~ wärst du 
 meine Wege gegangen 
 würde kein Laut
 aus deiner Kehle dringen 
 deine Seele würde sich 
 um tausend Tode winden

 wärst du meine Wege gegangen 
 wäre dein Fleisch
 gerissen
 wären deine Knochen
 verschlissen 

 wärst du meine Wege gegangen 
 wärst du sie
 gekrochen 
 wärst du so 
 zerbrochen 

 wie ich 

 doch meine Wege
 bist du nie gegangen 
 viel zu gefangen 

 warst du
 bist du
 lebst du 

 dein Schicksal in mir 

 wärst du wie ich
 wären wir nie gewesen 
 nun verwesen 

 meine Wege in dir ~

[Mrs. McH]

~ das Glück 
wollt doch nur glücklich sein
die Liebe
wollt nur lieben 

doch getrieben 

von Monstern 
in Menschengestalt 

verblieben 

nur Furcht 
und Leid 

selig vereint
weil nicht allein 

das muss wohl Glück
und vielleicht Liebe sein ~


[Mrs. McH]

~ der Weg zum Frieden 
 führt das Sein
 nicht allein 
 durchs dunkle Tal 
 aus Stille
 nein, oh nein 
 es ist der Wille 
 der zu brechen ist 

 zu leben 
 zu lieben
 zu hassen
 nichts 

 Gutes 
 Böses 
 Allgegenwärtiges
 zu lassen 

 gepflügt
 das Feld
 geschottert 
 der Pfad 
 zur Abkehr 
 sogar vorm Tod
 in flüssig Rot
 watend
 den Schnitter 
 hämisch erwartend 

 in steinig Grau
 getaucht
 ist der Berg
 zu erklimmen 
 bis der letzte Odem
 keuchend
 sich selbst verbraucht 

 doch
 unsterblich sein
 im Sinn
 im Geist 
 der Altes 
 mit Neuem
 verschweißt
 heiß glimmt und glüht
 eines Tages sprießt 
 erblüht 
 im Eiter
 im Blut
 am Wegesrand 
 die Glut 

 aus Schmerz 
 der Stachel im Fleisch 
 in Ruhe
 in Frieden 
 das Dornenherz ~

[Mrs. McH]

was sein soll

~ Genügsamkeit
 in keiner Zweisamkeit
 bedeutet nicht 
 Einsamkeit
 nein
 nie
 nur ein Hauch 
 Melancholie 
 die wie
 ein sanfter Sommerwind 
 gerade noch so
 auf nackter Haut 
 zu spüren ist 
 in Gedenken 
 an vergangene Zeiten 
 die mehr Fluch
 als Segen bereiteten
 oh ja
 in keiner Zweisamkeit
 liegt ein verkanntes Stück
 Notwendigkeit 
 voller Frieden 
 voller Glück
 und noch mehr 
 Demut und Erneuerung
 vor und in dem Sinn
 der sich
 aus sich selbst ergibt
 der, ach weh
 über Verachtung 
 und sogar Liebe siegt
 weil nichts mehr existiert 
 weil alles in sich krepiert
 stirbt 
 und wieder wird
 was sein soll ~


[Mrs. McH]

~ Herzbruch
in allen Augen, 

vom Glauben 

ins Wahre
stürzt 
die Ewigkeit; 

die Endlichkeit 

frisst sich in alle Glieder,
der Knochenmann 
singt Liebeslieder,
das einzige Wesen,
dessen Wort
aus Treue spricht,
dessen Wort niemals,
niemals bricht; 

Herzbruch
in allen Augen ~

[Mrs. McH]

Flickschusterlieben 

~ schroff und grob
schob 

ein Geist; 

du weißt,
von wem
die Rede ist,
ein Engel,
der nie geflogen ist; 

sich in das Sichtfeld
eines Seelenleids, 

»bleib,
doch nicht für immer«, 

»nein, ach, nimmer 
tät ich ewig verweilen,
nur für die Sommer,
die du brauchst 
zum Heilen,
dann bin ich 
schon verschwunden,
mit all deinen Wunden 
flicke ich 
mein Gefieder,
fliege hoch, so hoch, 
und ...« 

»... kommst nie wieder«, 

so muss es wohl 
gewesen sein,
ein Du,
ein Ich,
zusammen,
allein; 

grob und schroff
riss der Stoff,
aus dem Träume 
einst gewebt; 

etwas stirbt,
etwas lebt; 

sich selbst 
in tausend Fetzen ~ 

[Mrs. McH]

heute wird für immer sein

~ heute zerre ich
die Ohren mir ab 

heute steche ich
die Augen mir aus 

heute fließet mein Blut
in Strömen 

heute weine ich 
alle Tränen 

heute wird 
für immer sein 

in Demut 
und Verachtung 

gehe ich
erbärmlich ein 

beschämt bin ich 
ein Mensch
unter Menschenmonstern 
zu sein 

heute nähe ich
die Lippen mir zu 

ohne Augen, ohne Ohren 
sehe und höre ich der Welt
beim Sterben zu 

heute frisst
das Nichts mich ein 

heute wird 
für immer sein ~

[Mrs. McH]


[und morgen 
vielleicht morgen 

lasse ich meine Seele 
wieder frei]

~ ein schriller Schrei
 aus einem verrottenden Grab, 

»sag, Liebes, sag,
 was deiner Seele
 keine Ruhe lässt?«,
 flüsterte fragend
 eine Stimme rau,
 doch sanft, 

»ich, Elend!«,
 schrie es,
 »habe erkannt,
 was der Sinn 
 meines Lebens war!«, 

»nun offenbar«,
 hämte es aus
 einem anderen Schwarz,
 »wohl etwas spät,
 das zu begreifen«, 

»manches braucht nun mal
 Zeit zum Reifen!«,
 kreischte das Elend 
 stumpf aus kalter Erde, 

»oh ja, die Bürde
 der Vergessenen
 unter all diesen Besessenen,
 wiegt schwerer 
 ein Meter achtzig tief!«,
 rief
 das Flüstern nun
 entgegen seiner Art
 und wurde selbst
 zu einem Schrei ~

[Mrs. McH]

~ manchmal 
 geht ein Mensch 
 und manchmal 
 geht ein anderer Mensch 
 ein bisschen mit 

 es beginnt 
 ein gnadenloser
 wilder Ritt
 in Endlichkeit 
 ein Samenkorn
 aus Trauer 
 treibt
 Schmerz
 gedeiht
 zu einem dunkel blühend
 Wundgewächs
 das Leben ächzt 
 in dumpfen Schatten 
 der Atem verlässt
 den Leib
 wie Ratten 
 das sinkende Schiff 

 doch das Schiff 
 treibt weiter 
 umsegelt das Riff
 strandet und verweilt 
 ungeheilt
 und doch ein Riss
 geht durch die Tage
 durch Nächte ohne Schlaf
 ein kalter Wind
 weht durch die Seele
 macht sie taub und starr
 der Geist
 im Fallen
 Sinne lallen
 irren
 wie ein tragisch Lied 
 ohne Melodie 

 ein Teil des Seins 
 fällt ab und weg
 in tiefste Tiefen
 in Asche 
 in Dreck
 verwest im Dunkel
 wo einst nur
 ferne Geister riefen 
 was bleibt ist Narbenhaut
 zart wie Pergamentpapier
 ein Mensch geht 
 ein anderer 
 bleibt hier
 hadert
 verhandelt
 ummantelt
 von einem faulig
 süßen Geschmack
 ambivalenter Barmherzigkeit 
 in Liebe 
 im Leid 

 manchmal
 stirbt ein Mensch
 und gräbt ein Grab
 in anderes Fleisch
 das sich 

 vielleicht 

 nie
 wieder
 schließt ~

[Mrs. McH]

~ alles 
 wozu ich
 zwischen
 Lieb und Tode
 fähig bin
 schau nicht nur
 mit einem Auge hin
 lausche
 dem Rausche
 dem Ungesagtem
 dem stummen Wort 
 das nie geschrieben 
 wund und karg
 zwischen Leerstellen
 getrieben 
 liegt es darnieder 
 blank und bloß 
 und alle Glieder 
 steif und klamm
 ist es zu finden 
 in deinen Händen 
 wird es sich winden 
 weil es Wärme 
 nicht sein Eigen nennt
 nicht nennen will
 oh weh, so hübsch 
 ach, so still
 schreit es dich an
 zwischen
 Lieb und Tode
 zwischen 
 Sein und Nein 
 und blinden Augen 
 stirbt sein Ja
 verendet
 alles
 verbleibt doch wahr
 wozu ich fähig bin ~

[Mrs. McH]

~ und hier ist er
 all der Hass
 der Blicke friert
 der unverziert
 ins Antlitz starrt
 nichts in ihm
 ist süß und zart
 nur purer Hass
 der Schmerz gebiert
 selbst nichts verliert
 nur gewinnt 
 im Hass beginnt 
 kein süßes Lied
 das Lüge spielt 
 gut gezielt 
 noch besser getroffen
 niemals nie 
 vom Schein besoffen 
 kein Heuchelwort
 das heimlich mord
 nur Geist der Klarheit
 nur Hort für Wahrheit 
 der nur ist
 nur existiert
 in harter Tat
 kein Verrat
 keine Lüge sticht
 nichts Falsches bricht
 kein Lug
 kein Trug
 nicht gefährlich 
 nur brutal ehrlich
 ein nacktes, pochendes Herz
 so so glücklich ohne Schmerz
 bei sinnlichster Betrachtung 
 nur wahrhaftige Verachtung 
 in einem Wort
 hier ist er
 all der Hass ~

[Mrs. McH]

~ und hier ist sie 
 all die Liebe 
 die warm umarmt 
 die süß umgarnt
 die geduldig verweilt
 die gebrochene Flügel heilt
 die selbst nicht fliegt 
 weil
 blind wie sie ist
 sie nichts sieht 
 die niemals bangt 
 die nichts verlangt 
 die nur ist 
 nur existiert 

 in einem Wort 

 den Mord
 an armer Seele 
 hat sie nicht verhindert
 denn
 dem Wort 
 folgte keine Tat
 das ist Liebe 
 nur ein Wort 

 Verrat ~

[Mrs. McH]

Schöpfung aus der Leere

~ und ihr geht
und ihr geht 
und ihr geht
ja, bitte geht
denn so 

steht 

es geschrieben 

dass ihr euch
erst windet
lügt 
betrügt 
letztlich 

endlich 

verschwindet 


wohin ihr geht 
das ist mir gleich 
nichts könnte mir 
gleicher sein 

vielleicht

könnte ich weicher sein 

doch beim Biegen 
muss es krachen 

Tränen sollt ihr 
niemals lachen 

nur ganz viel weinen 
noch mehr schreien 

alle Schritte
müsst ihr übertönen
Gehen und Verhöhnen 

ist der neueste Scheiß 
ich weiß 

ich weiß
es 

schon viel zu lange 

Angst und Bange
werden euch führen 
und folgen ins Licht 

vielleicht
 
vielleicht nicht 

bin ich die Sonne 
die euch blendet 

verbrennt 

verendet 

gerne
in meiner Glut 

kein Blut 
soll mehr fließen 

nur sprießen
soll mein Keim 

aus Nein
und Schatten 

bin ich auch 
der euch begleitet 

vielleicht 

verleitet 
in süße Sünde 

denn wer sich nie 
dem Teufel versprach
wer niemals seine Seele gab 

vermag 

nicht ansatzweise 
zu begreifen 

alles muss reifen
fein gedeihen 

nur was ist 
kann ich 
entweihen 

und nur was geht 
und ja, ihr geht 
ihr geht
ja, bitte geht 

kann wiederkommen

was soll das Bleiben 
bringen 

nichts Gutes 
kann der Mensch 
erzwingen 

vielleicht 

nur ein Schweigen 

mit einem Schlag 
mit einem Hieb 

das kann jeder Dieb 

Zeit und Leben 
stehlen 

kein Widerspruch 
kein Auferstehen

bei mir gibt's nur 
Geschenke 

und ich denke 

dass es euch 
bald sehr gefällt 

auf ein Podest 
gestellt 

roh und bitter
serviert vom Schnitter
höchstpersönlich 

lahm
gewöhnlich 
doch adrett 

wenn auch schmierig 
gebraucht und ranzig
wie altes Fett 

biedert sich 
euch Liebe an 

nehmt ihr sie an
weidet sie euch aus 
so ein hübscher
Leichenschmaus 

eine Wunde 
in der Zeit
die vergeht
oh ja, sie vergeht 
mit euch 
ja, bitte geht
denn so 

steht 

es geschrieben 


ach, wie gern
ging ich voraus 

doch lausche ich
noch eine lange Weile
dem Echo
dem Applaus 

den tote Hände klatschen 
die nicht wissen 
welchem Leib sie angehören 

besser wollen wir
sie nicht stören 

leere Hände 
die nicht ahnen
wer sie bewegt 

nur wer geht
und ihr geht 
und ihr geht
ja, bitte geht
ist längst vergangen ~

[Mrs. McH]

doch die Blumen blühen
auch in Finsternis


~ nichts ist 
 doch alles wabert
 wie kühl grauer Nebel 
 über eine Wiese im Morgentau

 doch kein Tag
 bricht an
 aus Nacht erwacht 
 keine Dämmerung 
 nichts ist 
 nur alles bleibt 
 in ewiger Erinnerung 
 eines Ichs
 das in tausend Sommern
 niemals war

 doch die Blumen blühen 
 auch in Finsternis 
 niemand ist 
 der sie beschneidet
 keiner ist 
 der sie wurzellos
 aus dem Leben reißt 
 kein Mensch ist 
 der ihre Schönheit 
 zu seiner Wonne verspeist
 keiner ist
 der ihre Blütenblätter
 missbraucht
 er liebt mich 
 sie liebt mich nicht 
 niemand ist
 der an Liebe glaubt 

 kein Frühling ist 
 in dem ein Herz 
 sich an ein anderes hängt
 kein Herbst ist 
 der den Sommer verdrängt 
 kein Winter wird kommen
 lethargisch
 benommen 
 wabert ein Ich
 das nicht ist 
 wie kühl grauer Nebel 
 über eine Wiese im Morgentau ~

[Mrs. McH]

~ nur Liebe 
 möcht ich dir schenken 

 denn nur Liebe 
 besitze ich 
 im Überfluss
 so viel zu viel 
 dass ich darin
 zu ertrinken
 drohe 

 nur rohe 
 Liebe 
 blutgetrübt
 doch wahr 
 doch rein 
 flöße ich dir
 durch die Fetzen 
 deiner darbend Lippen ein 

 sie haben viel 
 zu viel geküsst 
 viel zu viele Worte  
 sind durch sie gekrochen
 viel zu viel Zukunft 
 wurde mit ihnen 
 faulig süß versprochen 
 viele zu viele Lügen
 haben jedes Wort 
 und auch mein Licht 
 gebrochen 

 nun ertränk ich dich
 in meiner Dunkelheit 
 in meiner Lieb
 in meinem Leib 
 deinen bleichen Mund 
 vernähe ich
 mit einem Garn 
 aus Bleib
 oh ja
 ja, bitte bleib
 bitte schweig
 im ewigen Gedenken 

 nur Liebe 
 wollte ich dir schenken ~

[Mrs. McH]

im Morgentod

~ morgen gibt's
 kein Morgen 
 morgen gibt's
 nur leere Herzen 
 oh, wie fein 
 keine Schmerzen 
 morgen gibt's 
 keine Gefühle 
 kein Gewühle
 im Eingeweid
 oh, wie fein
 kein Leid
 kein Säbelrasseln
 kein Knochenbrechen
 morgen gibt's 
 nur Toderbrechen
 in Lebendfallen
 von allen Wänden 
 widerhallen
 leise Laute
 des Begehrens
 des Verzehrens
 nach einem Morgen 
 der nicht graut ~

[Mrs. McH]

Schmierenkomödie

oder die Irrelevanz
eines Individuums


~ merk dir eines
du bist ein nichtiges Nichts
ein winziger Wicht
unter winzigen Wichten
unter riesigen Riesen
eine lieblose Liebe
unter Myriaden 
liebloser Lieben
getrieben von
triebtätigen Trieben
unbedacht 
stets darauf bedacht 
etwas 
jemand 
zu sein 

merk dir eines
du bist allein 

unter gar vielen
ein dumpfes Rädchen 
in einem gleichgültigen Gefüge
die hässliche Wahrheit 
in noch hässlicherer Lüge 
eine stumpfe Klinge 
die nichts schneidet
die in nichts dringt
doch niemand zwingt 
niemand fragt dich 
zu retten 
oder zu richten 
du bist ein Nichts
eine belanglose
Geschichte
unter abertausend 
belanglosen Geschichten 
nur eine schmierige Schicht 
unter noch mehr 
klebrigen Schichten
ein fahles Licht 
in einem hellen Raum 
ein Traum 
im Traum
im Traum
im Traum
an den sich keiner erinnert
ein Strasssteinchen
in einem Diamantenmeer
das billig schimmert
eine frische Wunde
in einem sterbenden Leib 
aber ja 
bitte
ja
bleib
der
die
das 
Eine 
ein Bein
unter Gebeinen
unter diesen 
Deinen 

die Handvoll Weniger 
die dich lieben 
sind selbst getrieben 
etwas 
jemand 
zu sein
zu beharren 
auf Rechte
weniger Pflichten 
weniger zu retten 
mehr zu vernichten 
doch zu richten
ist nicht ihr Recht 
sowie nicht deines 

merk dir eines 

ihr seid nur ein Heer
aus tausend Heeren
nur existent 
euch zu mehren 
nur für ein Sein
im ungebetenen
Richten groß
im Frieden klein 
kein Sinn
bloß Schein
in Schöpfung 
im Scheitern
so wahr
so weh 
so ich 
so du
so wir

so allein ~

[Mrs. McH]

~ in jedem Kuss
 ein Konflikt 
 es zerfickt
 den Verstand
 jedes Areal
 im Hirngefäß
 durchgebrannt 
 keine Sicherung 
 nichts mehr im Lot
 Gewalt ist Leben
 Leben ist Tod
 über Liebe 
 sprechen wir 
 längst nicht mehr 
 viel zu lange 
 ist es her 
 dass es Wunsch 
 und Wonne war
 unnahbar 
 aus tausend Gründen 
 sind wir geworden 
 morgen
 vielleicht morgen 
 küssen wir uns blutig
 ein letztes Mal ~

[Mrs. McH]

~ um meine Worte
 ringe ich nicht 
 nein
 ich zwinge dich 
 und niemanden
 nicht
 nur eines 
 zu begreifen 
 reifen
 soll meine Stille 
 auf unbestelltem Feld 
 mein unbändiger Wille
 ein Minenfeld
 muss schweigen 
 muss verbleiben 
 nein
 sogar überleben 
 im Erleben
 ein Beben
 in einem Vakuum 
 ertränkt den Verstand 
 im Delirium 
 aus Seelensud
 im Kinderblut
 der Geist sich nährt
 im Alten gärt
 die bittere Frucht
 was bleibt
 ist 
 saure Liebe
 und süße Luft
 nichts davon 
 lässt uns atmen
 erstickt das Warten 
 gebärt bloß Hadern 
 durch poröse Adern
 fließt kein Rot
 nur toter Tod
 aus und in
 Vergangenheit 
 hülle ich
 meine Sprachlosigkeit
 in Unvollkommenheit 
 in abertausend Worte
 in keine Orte 
 fallen sie ins Überall
 lautlos 
 weil hautlos
 nur ein Knochengerüst
 zu Tode geküsst 
 ins Jenseits geliebt
 ins Schwarz gejagt 
 alle Fragen bleiben 
 ungefragt 
 im Niemandsland 
 Gefahr gebannt
 um deine Worte
 ringe ich nicht ~

[Mrs. McH]

~ als die Wahrheit 
sich erfüllte
blutig sich enthüllte 
die ärgste Bestie 
ist ein Mensch 
wie du und ich 

da starb mein Licht 
ein letztes Mal
ein Traktorstrahl
zurück zu mir
süßer Frieden 
End aller Qual ~

[Mrs. McH]

mit fremden Federn glücken

~ mein schweres Herz 
 ist leichter 
 als du glaubst 
 federleicht 
 wenn du es raubst
 verleiht es dir
 die Schwingen
 die du brauchst 
 um zu schweben 
 um zu leben 
 davonzutreiben
 auszuleiden
 um zu gleiten
 um deinen Geist 
 auszuweiten
 zu lieben
 zu fliegen 
 auf und davon 
 fort von mir 
 denn ich bleibe hier 
 und schaue dir nach 
 oh weh, ewig ach
 wohin es dich wohl treibt?
 wer dich nun
 mit meinem Herzen
 einverleibt?
 was bleibt?
 ein dunkler Fleck in mir 
 ein Schattenriss
 verblichenes Wir
 ein klaffend Loch 
 im Nirgendwo 
 immer wieder so
 mein leeres Herz 
 ist erfüllter
 als du glaubst ~

[Mrs. McH]

in deinen Augen ist's noch warm

~ gerade noch so atmend,
 winselnd, hechelnd
 krieche ich
 schief lächelnd 
 durch deine Lider,
 die kalt
 dein Augenlicht bedecken,
 für immer gehen,
 sterben, verrecken
 sollst du nicht allein,
 dein letztes Bildnis 
 möcht ich sein;
 in deinen Augen
 ist's noch warm,
 so weich 
 und wund zugleich,
 mein Hab und Heim,
 endlich bin ich 
 ganz allein 
 mit dir
 in deinem Schwinden,
 niemand wird mich hier finden,
 schon gar nicht suchen,
 existierte ich
 doch ohnehin
 nur hinter deinen Lidern ~

[Mrs. McH]

Sprachnaturgewalt 

~ mit dir
begreife ich 
immer 
alles und nichts 
zugleich 
und zum Nichts 
wenn du sprichst 
werde ich 
wird mein Immer
zu ewigem Nimmer
wenn du schweigst
du weißt 
du bleibst 
noch tiefer 
in mir verhaftet 
entwaffnet 
und entbeint
zersplittert 
zu tausend Scherben 
verbittert 
im süßesten Wein
ertrunken 
in die tiefste Tiefe 
gesogen 
dort habe ich  
mich selbst betrogen
im Sediment
aus Schein und Sein
habe ich mich 
eingegraben
ent- und wieder 
aufgeladen
oh ja
mit dir
begreife ich
dass Leben 
tausend Tode
braucht 
und jeder Tod 
erlaubt 
uns Echo
unseres Selbst 
zu sein 
das es
zu erkunden gilt
immer und nimmer
wenn mich nichts hielt 
bin ich aus Nichts 
zu einem All geworden 
was mich bricht 
wenn du sprichst ~

[Mrs. McH]

~ und die Engel singen
und sie bringen
dir den Tod
bringst du sie
nicht zum Schweigen

einer muss leben
einer muss schweigen
wenn die Engel singen
bringen sie
alles ins Lot ~

[Mrs. McH]

~ schlägst du Schneisen
oder baust du Brücken,
mit was, zum Teufel,
willst du dich
noch selbst entzücken,
welche Stühle
willst du noch verrücken,
zwischen keinen
sitzt du noch,
längst verwest du
in deinem Loch
aus Selbstverdammnis,
dein Gefängnis
ohne Schloss und Riegel,
war es zu viel
oder zu wenig Prügel,
die du einst erfahren hast,
war es Lust oder Last,
die dich erst in den Himmel
und dann in die Hölle trieb,
warst du reich
oder der Dieb,
der alles stahl,
was Liebe ihm befahl,
warst du Gönner
oder Neider,
oh weh, ja, leider
warst du wohl
alles und jeder,
Gejagter und Jäger,
Richter und Henker
und Beklagter,
nun, was sagt er,
dein Verstand,
er hat dein Herz,
deine Seele,
deinen Geist,
dein alles Sein,
in seiner Hand,
die doch wahrhaftig
die deine ist,
was tust du damit,
schlägst du Schneisen
oder baust du Brücken ~

[Mrs. McH]

~ bist du der Betrogene
der Belogene
oder hast du betrogen
hast du gelogen
oder bist du beides
so sei es
Schimpf und Schande
verzeih es
was du Hoffnung nennst
aus Liebe
ist beides
keines
so sei es
verzeih es
verkrallt
in eine Illusion
die alles atmet
die treu wartet
verkrallt mit beiden Händen
wird es niemals enden
das Hoffen
das Lieben
doch was ist dir
geblieben
alles ist hin
na und
was ist schlimm
am Enden
am Wund verbrennen
liegt alles brach
alles öde
ist alles still
ist doch der Boden
für Neues bereit
vergiss nicht
deine Lebenszeit
die sich an verstaubten Fasern
aus Hoffnung und Liebe erhängt
was dich engt
dich bedrängt
fesselt
würgt
erstickt
deinen Geist zerfickt
während du dich selbst vergisst
deine Seele
betrügst
belügst
soll es so sein
kannst du dir das verzeih'n ~

[Mrs. McH]

~ der Glaube
an was auch immer
immer ein innerer Krieg
ein Ringen mit Gewalten
ohne jemals einen Sieg
es braucht kein Gegenüber
um zu lieben
es braucht keine Reue
um zu verzeihen
Heilung
wird nur keimen
wenn kein Preis
mehr zu entrichten ist
im Allein ~

[Mrs. McH]

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